Charly in unserem Wohnmobil

Vollgepackt bis unters Dach
Ein Kapitel geht zu Ende

25.08.2018   -   #0006

Anders als gedacht, mussten wir für die Prüfungen unserer Führerscheine noch länger in Telgte bleiben. Da jedoch unser kleines Mietzimmer bis Ende Juli befristet war, ließen wir uns für Hannos letzte Prüfung, Anfang August, etwas Neues einfallen. Jax, der zu diesem Zeitpunkt schon bei einer Freundin auf dem Hof stand, bot sich dafür an. Schließlich haben wir ihn genau dafür gekauft.
Kurzerhand packten wir all unser Hab und Gut, unsere Matratze kam auf gestapelte Kartons ins Fahrerhaus, und so bezogen wir unser neues Quartier auf Connys Hof.

Gekocht wurde nun über der Feuerschale, Charly konnte den ganzen Tag über die Felder streunen und das Nötigste durften wir, gegen etwas Hofarbeit, im Haus mitnutzen. So verbrachten wir, sehr unerwartet, unsere erste gemeinsame Zeit im Auto. Was sich anfangs provisorisch und chaotisch anhörte, entpuppte sich als ein schöner erster Eindruck von dem, was uns später einmal erwarten würde. Wir gingen mit dem Sonnenuntergang ins Bett, wachten bei Tagesanbruch auf und lebten einfach in den Tag hinein. Wer zuerst aufstand, sorgte für ein kleines Feuer, pflückte Beeren im Garten und bereitete das Frühstück zu. Mittags suchten wir im Schatten Schutz vor der brütenden Hitze, übten uns in Müßiggang und kochten gemütlich und ausgiebig mit dem Gemüse aus Connys Garten, bevor wir die kühle Abendluft zum Arbeiten nutzten. Auf diese Weise konnten wir ein sehr entspanntes Leben führen, ohne unsere Aufgaben und Arbeiten zu vernachlässigen. Gibt man sich selbst erst einmal die Freiheit loszulassen, kommt der Rest meist von ganz alleine. Für pures Faulenzen ist der Mensch gar nicht gemacht, oft haben wir bloß Angst davor, uns einmal zu setzen und nie wieder aufzustehen. Wir hatten dort endlich wieder die Zeit zu fotografieren, Artikel zu schreiben und uns weiter mit den Themen Selbstversorgung, plastikfreies Leben, Hofgemeinschaften und gesunder Ernährung zu beschäftigen. Auch Charly war sichtlich zufrieden mit der neuen Situation. Da alles, was wir besitzen, in Jax verstaut war, verstand Charly sofort, dass hier sein neues Zuhause war. Oft saß er morgens vorne auf dem Beifahrersitz und schaute aus dem Fenster. Er musste immer mit, auch wenn wir nur drin lagen um zu lesen. Neben all dem hatte Hanno noch seine letzten Fahrstunden und kümmerte sich mit unserem befreundeten Schrauber darum, dass Jax’ Rostlöcher beseitigt wurden, bevor es auf die nächste kleine Reise ging.

Obst und Gemüse - Kochen bei Jax

Da sich nämlich in der ganzen Umgebung keine Halle finden lies, weiteten wir unsere Suche auf Hannos Heimatstadt Neumünster aus. Dort wurden wir nach langer Suche und mit der Hilfe verschiedenster Kontakte endlich fündig. Nun blieb nur noch die Hürde, unserem Jax eine legale Möglichkeit zu schaffen, nach Neumünster fahren zu dürfen. Ohne TÜV, ohne Hauptuntersuchung, ohne Zulassung und ohne gültige Papiere gingen wir mal wieder auf Recherchetour. Am Ende führte doch kein Weg am Straßenverkehrsamt vorbei und mit allen Unterlagen, die wir finden konnten, war es schlussendlich doch möglich die Beamten von der Straßentauglichkeit unseres Sonderfahrzeugs zu überzeugen. Stolz hielten wir nach einigem Hin und Her dann unser offizielles Überführungskennzeichen in der Hand. Nun musste Hanno nur noch am Tag darauf beweisen, dass er auch straßentauglich LKW fahren kann. Als das geschafft war konnten wir beide erleichtert mit unseren C/CE-Führerscheinen und einem vorübergehend zugelassenen und vollgepackten Fahrzeug die erste gemeinsame Reise antreten, mit Ziel Neumünster.

So lässt sich abschließend noch sagen, unsere Zeit bei Conny war sehr produktiv, und dabei unglaublich erholsam. Das war eine wichtige neue Erfahrung, denn es hat uns gezeigt, dass wir mit einem freien, ungeplanten Lebensstil nicht zwangsläufig stagnieren, sondern viel schaffen können.

Was uns die natur gibt

Allmählich werden unsere Pläne für uns immer selbstverständlicher und so fällt es inzwischen auch sehr viel leichter Menschen von diesen zu berichten. Anfangs war es noch etwas komisch über ein Leben zu sprechen, das sich noch so unwirklich und unerreichbar anfühlte. Doch das hat sich mit jeder kleinen Erfahrung und der immer größer werdenden Arbeit an unserem Projekt nach und nach geändert. Wir wissen jetzt, wo wir in Zukunft hin wollen, und dass es wirklich das ist, wonach wir schon lange gesucht haben. Unsere Argumente, die wir seit Beginn an vorbrachten, beruhten nur auf Mutmaßungen, doch diese werden langsam aber sicher Realität.




Wem unser Projekt gefällt und wer ein Teil dessen werden möchte, findet unter Support die Möglichkeit zu spenden oder unter Contact unsere Email-Adressen, um mit uns in Verbindung zu treten. Wir freuen uns über Fragen, Anregungen, Angebote und jedwede Hilfe.

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