Die Hände voll mit Öl

Wir schaffen Platz
2,5 Tonnen in 3 Wochen

20.09.2018   -   #0007

Wir haben unser Ziel erreicht. Völlig erschöpft und mitten in der Nacht kamen wir in Neumünster an. Damit begann für uns ein neues Kapitel oder besser gesagt, jetzt ging’s richtig los.

Als erstes ging es zu Voss-Krane, die uns halfen den Feuerwehraufbau mit all seinen Gerätschaften herunter zu heben. Der war bereits verkauft und sollte nur noch für den Abtransport bereit gemacht werden. Das klang allerdings leichter als wir es uns vorgestellt hatten. Das erste Problem hatten wir zwar schon im Hinterkopf, doch es sollte sich als größer herausstellen als wir erwartet hatten. Es war der Hilfsrahmen, ein Stahlgerüst, das auf dem Leiterrahmen des LKW liegt und dafür zuständig ist, dessen Torsion bei unebenem Untergrund durch seine Lagerung abzufangen und so den Aufbau vor der Verwindung zu schützen. Normalerweise ist dieser durch Schrauben einfach von beiden Auflageflächen zu lösen. In unserem Fall galt dies jedoch nur für die Verbindung zum Leiterrahmen. Der Aufbau klammerte sich mit aller Kraft an ihm fest. Also kam Plan B ins Spiel, der darin bestand, alles samt Hilfsrahmen von Jax runterzuheben und aufzubocken, um dann besser darunter arbeiten zu können und den Rahmen doch noch zu lösen. Doch auch dieser Schritt verlief nicht ohne einen zweiten Anlauf. Der erste scheiterte nämlich daran, dass wir nicht genau einschätzen konnten, wie schwer der Aufbau war, noch, wo sich sein Schwerpunkt befand. Der Kran stand, die Schlingen waren mit Mühe zwischen den Rahmen durchgeschoben und wir standen bereit. Als Jax dann mit in die Höhe gezogen wurde und das Material anfing sich zu verbiegen, brachen wir diesen Versuch ab. Einige Tage später gingen wir das Projekt noch einmal etwas anders an. Diesmal nutzten wir sogenannte ,hebeboys’, mit Luftdruck betriebene Hebebühnen, welche an allen vier Ecken aufgestellt wurden und so den Aufbau, ohne die Gefahr das Gleichgewicht zu verlieren, hochhoben. Wie erhofft, verlief es reibungslos, und wir konnten uns wieder dem Hilfsrahmen zuwenden.

Nachdem wir eine Antriebswelle, Radkästen, Schrauben und sämtliche Leitungen und Kabel abmontiert hatten, durften wir jedoch feststellen, dass der gesamte Aufbau inklusive Wassertank an allen nur möglichen Stellen einfach mit dem Hilfsrahmen verschweißt wurde. Es hatte wohl niemand damit gerechnet diesen Aufbau jemals wieder von dem Fahrzeug, geschweige denn von dem Rahmen, zu trennen. Somit blieb uns nichts anderes übrig, als alle noch verwendbaren Teile, wie zum Beispiel die Wippe, auszubauen. Ganze drei Tage kniete Hanno mit der größten auffindbaren Flex unter dem aufgebockten Aufbau, um diesen Lagerungspunkt für unseren späteren Hilfsrahmen zu retten. Was übrig blieb, war ein ziemlich mitgenommener Rest Stahl, der nach wie vor am Aufsatz hing. Kleinigkeiten wie Rückstrahler, Blinker und Bremslichter ließen sich deutlich schneller abnehmen und kamen sicher verwahrt an die Seite, um auch später mit unserer Holzkabine einmal den historischen Oldtimer-Look von Jax zu erhalten.

Die Verladung des Aufbaus in den LKW

Nun war nur noch die letzte Hürde zu nehmen, der Aufbau musste auf einen LKW verladen werden, der uns, nachdem wir ihn zuerst auseinander bauen mussten, zu beiden Seiten einen Spielraum von 1-2 Zentimetern bot. Dieses Mal gingen wir gleich mit zwei Kränen zu Werke, um einer unerwünschten Gewichtsverlagerung entgegenzuwirken. Von außen machte dies den Eindruck eines riesigen Unterfangens, doch auch jetzt verlief alles wie geplant. Die Schlaufen wurden an beiden Seiten des Aufbaus befestigt und dann bewegten zwei Kranführer die 2,5 Tonnen Stahl und Aluminium synchron auf die mit Paletten ausgelegte Ladefläche. Wieder zusammengebaut, war der LKW mitsamt Ladung zum Abtransport bereit und wir beide unglaublich erleichtert. Im Nachhinein hoffen wir sehr, dass dies das Komplizierteste an unserem Projekt war. Ganze drei Wochen hat es gebraucht, dass wir jetzt vor dem unglaublich winzig wirkenden Rest von Jax stehen. Dass das der Grundstein für unsere Wohnung wird ist momentan kaum zu glauben.

Doch damit das so schnell wie möglich Realität wird, haben wir nebenbei mit Hochdruck an den Konstruktionsplänen für Holz- und Stahlgerüst gearbeitet. Dies ermöglichte es, dass wir beide Materialien bereits bestellen konnten. Auch unsere Halle haben wir in der Zwischenzeit bezogen und richten uns langsam ein. Seit wenigen Tagen liegt das Holz bereit und der Stahl wartet nur noch auf einen netten Schweißer, der sich die Zeit nimmt unseren Hilfsrahmen zu schweißen. Trotz großen Bekanntenkreises, ist es nicht so leicht auf die Schnelle Fachleute aufzutreiben. Was uns wiederum in der Entscheidung bekräftigt, vorwiegend mit Holz zu bauen, einem Material, mit dem wir auch selber gut umgehen können.

Als nächstes steht die Neu-Planung des Innenraums an, da wir uns für einen neuen Bodenbelag entschieden haben und somit alles noch mal überdenken. Dann fehlt noch die Farbe für außen, wobei wir schon verraten können, dass wir jemanden gefunden haben, der uns Jax lackiert. Ihn haben wir durch seine Firma kennengelernt, die dänische Fenster herstellt. Diese haben wir ins Auge gefasst, da sie optisch sehr gut zu unserem Aufbau passen und ebenfalls aus Holz hergestellt werden. Zusätzlich gibt es sogar die Option straßenzugelassenes Sonderglas einzubauen. Dank eBay erweitert sich unser Lieferanten und Bekanntenkreis so oft innerhalb weniger Stunden. Auch die Solarplatten, die seit ein paar Wochen den Keller (von Hannos Mama) komplett versperren, hatten wir spontan über Ebay gefunden und zugeschlagen, obwohl sie eigentlich das allerletzte Bauteil unseres Projekts sein werden. Nach und nach puzzeln wir so alle Baumaterialien zusammen und die Vorfreude steigt täglich, endlich Säge, Akkuschrauber und Pinsel in die Hand zu nehmen und loszulegen.

Im Hintergrund läuft die Sponsoren-Suche nach wie vor auf Hochtouren. Einige Firmen konnten wir bereits für uns begeistern und darauf sind wir sehr stolz. Nach wie vor freuen wir uns über jeden, der Teil unseres Projekts werden möchte, egal in welcher Form. Als kleinen Tipp können wir hier noch hinzufügen, je früher man sich um alle benötigten Materialien und die kooperationswilligen Firmen kümmert, desto unwahrscheinlicher kommt es vor Baubeginn zu unnötigen Verzögerungen. Diese, so zumindest unsere Erfahrung, sind gerade am Anfang sehr lästig. Aber auch für uns war es komisch bereits vor der aktiven Bauphase alles einzukaufen und zu horten.

Abschließend zu dieser langen Aufzählung von neuen Informationen können wir sagen, dass sich bisher alles in eine sehr positive Richtung entwickelt hat, auch wenn wir manchmal mehrere Anläufe und etwas Geduld brauchen, doch das gehört schließlich auch dazu.




Wem unser Projekt gefällt und wer ein Teil dessen werden möchte, findet unter Support die Möglichkeit zu spenden oder unter Contact unsere Email-Adressen, um mit uns in Verbindung zu treten. Wir freuen uns über Fragen, Anregungen, Angebote und jedwede Hilfe.

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