Hanno plant die Dämmung und Konstruktion unserer hinterlüfteten Wohnkabine aus Holz

Hinterlüftetes Fachwerk
Unsere Wohnkabine aus Holz

06.10.2018   -   #0008

Viel Arbeit und Zeit hat es gekostet den Aufbau herunter zu bekommen, abzumontieren, was wir noch brauchen werden, und ihn dann zu verladen. Gleichzeitig durfte aber die Planung unserer bevorstehenden Arbeiten nicht vernachlässigt werden und so wurde jede übrige Stunde der letzten Wochen genutzt, um endlich die Holzkonstruktion unserer Wohnkabine so weit fertig zu stellen, dass das Holz bestellt werden konnte.

Ganz einfach gestaltete sich das nicht, denn unser Ziel war hochgesteckt. Neben den gewölbten Seitenwänden, die der Form des ursprünglichen Aufbaus nachempfunden werden, sollte das Thema ‚natürliche Dämmstoffe‘ noch eine größere Rolle spielen. Nach und nach entwickelte sich aus dem einfachen Willen, kein Styrodur oder ähnliche Hartschaumplatten verwenden zu wollen, die Idee, dass man neben dem nachhaltigen Aspekt auch die anderen Vorteile solcher Baustoffe nutzen sollte. Das bedeutete, dem Baustoff die Möglichkeit zum Atmen zu geben. So setzten wir uns mit einer diffusionsoffenen Bauweise auseinander und warfen alle bisherigen Pläne über Bord, um noch einmal von vorn anzufangen.
Ein gesundes Raumklima entsteht, wenn überschüssige Luftfeuchtigkeit, die durch Kochen, Duschen oder Schwitzen entsteht, teilweise von der Bausubstanz aufgenommen und zu einem günstigen Zeitpunkt, nämlich wenn die Luftfeuchtigkeit im Raum abnimmt, wieder abgegeben werden kann. Wenn Feuchtigkeit allerdings tief in die Wände eindringt und sich dort festsetzt, können Schimmel und Moder den Wänden und auch den Bewohnern schaden. Deshalb muss der Feuchtigkeit immer die Möglichkeit gegeben werden, die Wand leicht nach draußen zu verlassen. Entsprechend müssen die Materialien in diese Richtung immer diffusionsoffener, das bedeutet wasserdampf-durchlässiger, werden. Damit fiel eine geschlossene Außenverkleidung mit Siebdruckplatten, die komplett diffusionsgeschlossen sind, weg und es musste eine Hinterlüftung eingeplant werden. Dies ist eine substanzlose Schicht direkt hinter der äußersten Verkleidung, die durch Lüftungsschlitze mit der Außenluft verbunden ist. So kann die Luft durch diese Schicht zirkulieren, die Feuchtigkeit aus der Dämmung aufnehmen und nach draußen abgeben, wodurch ein Nässestau verhindert werden kann.

Dämmungsplan für unser hinterlüftetes Fachwerk der Wohnkabine aus Holz

Nach einigem Herumexperimentieren mit einem Online-Rechner für Hitze- und Kältedämmung wussten wir ungefähr, wonach wir suchen mussten und gingen wenige Tage später auf die Nordbau, die größte Baumesse im Norden, um dort mit Herstellern vor Ort zu sprechen und uns beraten zu lassen. Innerhalb weniger Stunden hatten wir eine Hand voll Firmen notiert, die für uns in Frage kamen und ganz nebenbei die Dämmpläne für unsere hinterlüftete Wohnkabine aus Holz von Experten bestätigen lassen. Als Hauptdämmstoff boten sich für uns von vornherein eigentlich nur Holzfaserplatten an, die zwar sehr schwer sind, aber im Gegensatz zu leichten Dämmstoffen einen hohen Widerstand gegen Hitze aufweisen. Neben diesen wollen wir die dickeren Seitenwände und die Decke zusätzlich mit etwas Leichtem dämmen. Erst dachten wir an Schafwolle, doch diese würde leider durch die Vibration bei der Fahrt zusammensacken und so mussten wir von der Idee ablassen und nach Alternativen suchen, die wir dann auch fanden. Thermo Nature stellt aus den alten Kakaobohnensäcken von RitterSport, die wegen Nahrungsmittelgesätzen nur einmal genutzt werden dürfen, Dämmwolle aus Jutefasern her, die durch ihre langen Fasern sehr viel formstabiler als zum Beispiel Schafwolle sind.
Dazu kommt direkt hinter der Innenwand, die aus Sperrholzplatten besteht, eine intelligente Dampfbremse, welche je nach Situation mehr oder weniger Feuchtigkeit durchlässt. Zwischen Hinterlüftung und Dämmung befindet sich außerdem eine Unterspannbahn, die vor dem Auskühlen durch Wind schützt. Durch den begrenzten Platz und unsere hohen Ansprüche ergab es sich, dass fast jede Wand inklusive Dämmung unterschiedlich aufgebaut sein wird. Doch genug dazu.

Auch das Konstruktionsholz brauchte seine Aufmerksamkeit. Die ganzen Sorten und Maße überforderten uns zunächst, doch nach einigen Empfehlungen und Preisvergleichen waren wir schnell überzeugt, dass uns nur Fichte ans Haus kommen wird. Um es einfach zu halten, planten wir ausschließlich mit einem Kantholzmaß, dass nicht quadratisch sein sollte, damit es sich sowohl für dünne als auch dicke Wände eignet. Am besten stellte sich für unsere Wünsche 40 mm x 70 mm heraus, denn damit konnten wir die Frontwand auf gerade mal 52 mm minimieren und gleichzeitig die Seitenwände auf bis zu 102 mm ausweiten.
Zu unserer großen Freude wurden wir durch gute Preise von Holzland Greve in Neumünster unterstützt, die uns neben Holz auch die benötigten Dämmstoffe beschaffen konnten und alles innerhalb weniger Tage direkt zu unserer kleinen Halle lieferten.

Zeichnung einer Kreuzüberblattung

Um das Fachwerk möglichst stabil zu gestalten, muss das Konstruktionsholz durchlaufen. Wir entschieden uns deshalb für einfache Kreuzüberblattungen, die recht leicht mit einer Tischkreissäge oder einer kleinen Oberfräse realisierbar sind. Die genauen Pläne waren dann meine Sache. Ich ging völlig in der Arbeit auf, verlor mich zugleich aber auch Tage in meinem Laptop, auf dem alles in 2D festgehalten wurde, was wirr und dreidimensional in meinem Kopf herumschwirrte. Immer wieder verschob ich die Balken im Kopf aufs Neue, bis die Ideen genügend ausgearbeitet waren, um sie festzuhalten. Erst entwarf ich eine, hoffentlich stabile und wasserdichte, Lösung für die große Heckklappe, die den gesamten Bettbereich öffnen und es möglich machen soll, mit der Matratze auf ihr, im Freien, zu liegen. Darauf folgte dann die Konstruktion unserer gebogenen Seitenwände. Theoretisch schnell durchdacht, gestaltet es sich dann doch recht umfangreich, wenn man sich die Frage stellt, wie man so etwas mit einer Tischkreissäge umsetzen möchte. Die Pläne wurden jeden Tag genauer, doch es tauchten auch immer neue Probleme auf. Genaue Fenstermaße mussten her und Stauklappen, Tür, Durchgang sowie zusätzliche Kleinigkeiten blockierten die Fertigstellung. Schlussendlich hatten wir dann aber alles beisammen. Fenster wurden geordert, für die Stauklappen kauften wir zwei alte Fenster, die mit zusätzlicher Dämmung als Stauklappen einbauen werden. Die Tür wurde mit geschätzten Maßen eingeplant und die Durchgangsgröße wurde durch Probieren mit Zollstockkonstruktionen, ein Vorgehen, dass uns schon die gesamte Planung begleitet, beschlossen.

Pläne für die Holzkonstruktion der Wohnkabine

Dann plötzlich standen alle Pläne. Ein tolles Gefühl. Nach so vielen Tagen des verloren in den Bildschirm Starrens, war es höchste Zeit aus dem Haus zu kommen. Schnell schickte ich die Bestellung ab und fuhr mit Anna und Charly zu unserer Halle. Wir fegten den Boden, säuberten und verschoben das große Stahlregal, bauten unseren Schreibtisch, den wir wenige Tage vorher auf dem Sperrmüll gefunden hatten, auf. Danach kam noch ein kleines Regal aus meinem alten WG-Zimmer an die Wand und eine Handvoll Lampen verteilt durch die Halle an Wände und Decken.
Endlich konnte es losgehen!




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