Plastikfrei im Bad- nasse Haut beim Duschen

Plastikfrei im Bad (I)
Veränderst du dich, ändert sich alles

15.04.2019   -   #0011

In einer Welt voller Möglichkeiten ist es oft schwierig die Passende zu finden. Man verliert sich schnell, beginnt zu zweifeln und doch kann man meist spüren, wenn sich eine Entscheidung gut anfühlt.
Jedes Mal, wenn ich an der Supermarktkasse stehe, vor und hinter mir Berge von in Plastik verpackte Lebensmittel sehe, beginne ich zu zweifeln. Was macht es schon aus, dass ich dazwischen stehe mit meinem Maismehl in Papier und den Äpfeln, die lose auf dem Band herumkullern?
Es bringt etwas! Eine Tüte weniger, einen Funken Hoffnung und vor allem ein gutes Gefühl für mich selber, nicht mehr nur mit hilflosem, verzweifeltem Blick auf die Hinterlassenschaften von Joghurtbechern und Chipstüten sehen zu müssen, sondern zu wissen, dass ich es anders mache. Selbstverständlich reicht das bei weitem nicht aus, doch es ist der Anfang, den alles Neue braucht. Jede Bewegung, jeder neue Gedanke und jeder neue Weg fing einmal in den Köpfen weniger Menschen an. Wären sie nicht gewesen, hätte es gar keine Chance gegeben, neue Überzeugungen/Einstellungen/Ansichten zu einem Lebensstil, einer weltweiten Veränderung zu machen. Jeder der klein anfängt, hinterfragt gerne die Wirkung seines Handels, doch viele kleine Momente bringen Hoffnung.
Der letzte Besuch beim Metzger war ein solches Erlebnis für mich. Als ich gerade meine Tupperdose am Rand der Theke abstellte, beäugte mich eine ältere Dame und fing begeistert ein Gespräch über eigene Dosen und Tüten an, an welchem bald schon der halbe Laden teilnahm. Wo ich sonst eher schüchtern meine eigenen Behälter zum Vorschein bringe, stand ich hier plötzlich stolz inmitten von Menschen, die sich dieser Methode ebenfalls bedienten. So wurde aus einem kleinen Versuch etwas zu ändern, die Bestätigung eines ganzen Ladens, auf dem richtigen Weg zu sein.
Diese Bestärkung und die Möglichkeit im Alltag mehr über das nachzudenken, was und wie wir konsumieren, möchte ich auch in diesem Artikel weitergeben.
Das Thema, dem ich mich widmen werde, ist das Badezimmer. Jeder hat eins, jeder braucht eins. Doch habt ihr schon mal drüber nachgedacht, welche Produkte ihr dort alle benutzt? Wo sie herkommen, wie sie verpackt sind und welche Produktionsgeschichte sie mit in euer Bad bringen? Ich habe mir vorgenommen euch vier Artikel zu schreiben, um alles abzudecken, was wichtig ist.
Hier also der erste „plastikfrei im Badezimmer”-Artikel zum Thema Hygiene. Dies beinhaltete Seife, Shampoo/Haarseife, Conditioner, Toilettenpapier, Handtücher, Wattestäbchen und Wattepads.

Um direkt das erste Streitthema anzusprechen, flüssige oder feste Seife, muss ich zur flüssigen Variante sagen, dass ihr diese nur im Unverpacktladen ohne Verpackung erhalten könnt. Davon gibt es in den meisten Städten in Deutschland bereits einen und ich kann sie absolut für alles empfehlen.
Bei fester Seife gibt es deutlich mehr Abwechslung. Verschiedenste Marken bedienen uns hier mit ökologischen Alternativen ohne Palmöl. Auch wenn dieses einem zertifizierten Abbau unterliegt, ist es doch ratsam sich anderen Ölen zuzuwenden. Viel falsch machen kann man hier sonst absolut nicht, Form und Geruchswünsche können meist gut bedient werden und geben zudem ein gutes Gewissen beim Waschen. Es werden keine Tierversuche durchgeführt, die Bauern und ihr Land nicht ausgebeutet, sondern für ihre wertvollen Rohstoffe fair bezahlt und mit Respekt behandelt. All das tut Levia. Ihre Produkte entsprechen allen gewünschten Kriterien und lassen sich sehr gut benutzen. Das schöne daran, fast jede Seife lässt sich sowohl für die Haut als auch für die Haare verwenden, was gerade auf Reisen einen großen Vorteil mit sich bringt. Außerdem bleiben sie bis zum letzten kleinen Stück fest und verwendbar, fallen nicht auseinander oder bröseln. Ob Salzseife mit Pfefferminz, Salbeiseife mit Melissenöl, Heilerde-Seife mit Lavendelöl oder traditionelle Aleppo Seife mit verschiedenen Ölen, für mich die optimale Pflege für die Haut!

Levia Handseife - plastikfrei

Nun zum Shampoo, der Haarseife sowie dem Conditioner.
Zwischen Haarseife und Shampoo besteht ein grundlegender Unterschied, und zwar wird Seife, ihrem Namen nach, noch traditionell mit Ölen, Fetten und Lauge gesiedet. Dieser Vorgang braucht Zeit und kann für das Endprodukt einen kleinen Nachteil mit sich bringen. Bei besonders hartem Wasser kann sogenannte Kalkseife entstehen, bei welcher kleinere Rückstände im Haar bleiben können und das Waschergebnis nicht zufriedenstellt. Dem ist jedoch sehr einfach mit einer, auch als Conditioner zu nutzenden, Mischung entgegenzuwirken. Sie wird Saure Rinse genannt und ist selber herzustellen. Dazu werden ein Liter kaltes Wasser, 1-2 EL Apfelessig (als Alternative können auch Balsamico- oder Kräuteressig, Zitronensaft oder -säure, letzteres genügt als halber TL, verwendet werden) und nach Wunsch ätherische Öle vermengt, nach dem normalen Waschen der Haare auf dem Kopf verteilt und nach Belieben noch einmal ausgespült. Die Öle können helfen einen unangenehmen Essig-Geruch zu verdecken, oft verschwindet dieser jedoch bereits durch das Trocknen der Haare. Meine Erfahrungen mit dieser Seifenart waren einwandfrei und ich war sehr zufrieden, obwohl ich erst im Nachhinein von dem Conditioner gelesen hatte. Man sollte sich allerdings nicht wundern, wenn die Seife nicht schäumt, das kann ganz normal sein und sauber macht sie trotzdem. Als Haarseife lassen sich auch die Aleppo Seifen von Levia nutzen. Auch hier wieder mein Tipp, die echte, traditionell hergestellte Aleppo Seife kann für fast alles verwendet werden. Ob für Hände, Gesicht, Körper, Haare, Fußbäder, Rasuren, gegen Motten, Flecken, Mückenstiche, Akne oder Neurodermitis… manche putzen sich mit ihr sogar die Zähne. Wenn ihr sie also gut vertagt, habt ihr eine für Alles. Oft braucht der Körper bis zu 5 Wochen, um sich auf die neue, reduzierte (völlig ausreichende) Pflege zu gewöhnen. Vielleicht müsst ihr auch testen, welches Verhältnis zwischen Oliven- und Lorbeeröl das Richtige für euch ist. Je mehr Lorbeeröl enthalten ist, desto stärker spendet die Seife Feuchtigkeit und Fett, ist also für sehr trockene Haut und schuppige Kopfhaut hilfreich. Ob ihr dann noch den “natürlichen Conditioner” braucht, einfach ausprobieren.
Festes Shampoo benötigt, im Gegensatz zu der festen Haarseife, keinerlei Nachbehandlung, doch es kann auch hier ein angenehmes Gefühl und gute Kämmbarkeit bewirken mit der Sauren Rinse nachzubehandeln. Die Inhaltsstoffe des Shampoos entsprechen genau denen, die auch im flüssigen Shampoo aus der Tube enthalten sind, da nur die Flüssigkeit entzogen wurde, um es als trockene Variante in Papier oder, noch besser, ganz ohne Verpackung anbieten zu können. Auch hier kann ich die ökologischen Varianten sehr empfehlen, da sie ein Rundum-Paket an gutem Gewissen bieten. Levias festes Shampoo findet ihr über den eignen Online Shop oder in Unverpackt-Läden. Falls euch beides zu kompliziert ist, bietet DM inzwischen auch zwei feste Shampoos von ihrer Eigenmarke alverde an. Möchtet ihr am liebsten bei flüssigem Shampoo bleiben, könnt ihr dieses auch selber im Unverpackt-Laden abfüllen.

Als reiner Conditioner lässt sich die Saure Rinse wie oben beschrieben wunderbar abwandeln, indem man Tee, Öle, Kräuter oder Pflanzenwasser verwendet. Man lässt hierbei den Essig weg und ersetzt ihn durch die entsprechenden Zutaten. Tee unterstützt die Farbwirkung der Haare und sollte daher farblich passen, lange ziehen und dann kalt aufgetragen werden. Anschließend einfach trocknen lassen.
Kräuter, aufgesetzt wie Tee, verwendet man ebenfalls nach diesem Verfahren. Pflanzenwasser und Öle können ganz einfach direkt ins Haar, bei Bedarf auch nur in die Längen, gegeben werden. Sehr zu empfehlen ist hier Rosenwasser, da es gleichzeitig einen schönen Duft verbreitet. Oft braucht man viel weniger Pflegeprodukte als man denkt! Mit einem möglichst ausgeglichenen Lebensstil schafft der Körper es ganz von allein für gesunde Haut und Haare zu sorgen. Dazu gehört natürlich gutes Essen, Bewegung, frische Luft und viel Zufriedenheit. Ware Schönheit kommt von innen, hat nicht nur etwas mit inneren Werten zutun, sondern auch damit, was wir unserem Körper geben und was er daraus machen kann.

Zum Schluss kommen noch drei kleine Tipps, die man einfach umsetzten kann, ohne weiter darüber nachdenken zu müssen. Recyceltes Toilettenpapier etwa ist schon lange nicht mehr dunkel und kratzig, sondern strahlend weiß und sogar im Pappkarton erhältlich. Wenn ihr noch nicht das Glück habt einen Unverpackt Laden mit einem umfassenden Sortiment um die Ecke zu haben, gibt es die Möglichkeit dieses online zu bestellen. Lasst euch von den Preisen nicht abschrecken, umgerechnet auf die Länge zahlt man hier nicht mehr als bei normalem Toilettenpapier. Ansonsten, haltet die Augen offen, Goldeimer hat in Kooperation mit Viva Con Aqua ebenfalls ein recyceltes Papier auf den Markt gebracht, arbeitet jedoch gerade noch an der Pappverpackung. Einfacher erhältlich und immer noch die bessere Alternative zu den konventionellen Produkten.

Um auch die Hände guten Gewissens sauber und trocken zu bekommen, möchte ich diesen kleinen Hinweis zu Yumeko geben. Dort gibt es Handtücher in allen Farben und Formen, passend für jedes Bad und die Umstellung nur ein kleiner Aufwand. Die flauschigen Badezimmer-Begleiter bestehen zu 100% aus Bio-Baumwolle und werden fair produziert. Es kann so einfach sein!

Hydro Phil - Wattestäbchen plastikfrei

Zu guter Letzt, klein aber fein, die Wattestäbchen und Pads. Sie sind ein fester Bestandteil, wenn es um Hygiene im Bad geht. Viele Marken stellen bereits von Plastik- auf Papierstäbchen um, doch die Verpackung vernachlässigen die meisten. Hier kommt wieder der Wink zum Unverpackt-Laden oder direkt zum Onlineshop von Hydrophil.
Für wiederverwendbare Abschminkpads möchte ich euch die von Waschbär ans Herz legen. Diese sind aus 100% Bio-Baumwolle und können einfach gewaschen und immer wieder verwendet werden.

Wie schon gesagt, das Bad bringt viele Möglichkeiten der Umstellung mit sich, und ich hoffe, die ein oder andere Idee lässt sich gut in euren Alltag einbauen. Jede Entscheidung sollte auf eigenem Interesse beruhen und den Willen besitzen Teil des Wandels zu werden und ihm nicht bloß zu zuzusehen.
Viel Spaß (denn das sollte Körperpflege doch eigentlich machen)!

Mein Song-Tipp für euch:
MICHAEL JACKSON - MAN IN THE MIRROR
„Wir müssen alle bei uns selbst anfangen.”




Wem unser Projekt gefällt und wer ein Teil dessen werden möchte, findet unter Support die Möglichkeit zu spenden oder unter Contact unsere Email-Adressen, um mit uns in Verbindung zu treten. Wir freuen uns über Fragen, Anregungen, Angebote und jedwede Hilfe.

Geschrieben von